Läuft!

Nach einem super Start am Samstag, sind seit ca. 22:30 Uhr die LäuferInnen der sechsten Staffel von Staaken nach Griebnitzsee unterwegs. Für sie geht es gute 35km durch die Vollmondnacht, wo dann Staffel 7 für die nächsten 29km übernimmt. Manche laufen gleich alle beide Abschnitte und haben damit gute 64km geschafft – allen Respekt!
Fotos und regelmäßige Updates könnt ihr auf der Facebook-Page des Erdlingslaufs verfolgen.

2 Gedanken zu „Läuft!

  1. Frank Spade

    Mitgefühl für Tiere auf dem Mauerweg

    „Für Mitgefühl laufen“, das war das Motto einer Staffel von ca. 150 Veganern und Sympathisanten, die am 29. und 30. August innerhalb von 24 Stunden, in 12 Etappen, einmal auf dem Mauerweg ca. 170 km rund um Berlin liefen. Sie hatten sich vorgenommen Geld für die Unterstützung des Erdlingshofs im Bayerischen Wald zu sammeln, wo aus der Massentierhaltung befreite Kühe, Schweine, Hühner und Pferde ohne Gefahr für Leib und Leben ihre verbleibenden Tage und Jahre in Frieden leben können. Da mit dieser Art Tierhaltung kein Geld zu verdienen ist, kamen die Berliner Vegan Runners im letzten Jahr auf die Idee, mit einem Spendenlaufs zur Unterstützung des Hofs beizutragen.

    Die Läuferinnen und Läufer verteilten sich auf die 12 Abschnitte, wobei einige auch mehr als einen Abschnitt liefen. Hier folgt jetzt ein Bericht von der 5. (und 6.) Etappe, die gegen 20 Uhr in der Nähe des S-Bahnhofs Hennigsdorf beginnen sollte. Als ich mit der Bahn dort ankam, war ich zunächst desorientiert, in welche Richtung vom Bahnhof aus der Lauf gehen sollte. Bevor ich beurteilen konnte, wem von den Umstehenden ich genügend Ortskenntnis zutrauen würde um ihn oder sie zu fragen, bemerkte ich einen Polizeibus auf dem Bahnhofsvorplatz. Die sollten sich auskennen, dachte ich, und trat an der Beifahrerseite an das Fahrzeug heran. Das Fenster war heruntergekurbelt und bevor ich etwas fragen konnte, sagte einer der Polizisten „Sie wollen bestimmt zum Mauerweg!?“ Ich war wegen meines Outfits als Läufer einzuordnen, aber doch überrascht, über diese Ansprache. Als nächstes stieg er aus dem Fahrzeug, um mir die Richtung zu zeigen. Er bestätigte, dass die Polizei unseren Lauf auf dem Schirm hätte und wünschte mir zum Abschied viel Freude und Erfolg dabei.

    Langsam trafen einige der anderen Läufer ein, aber wir hatten von unserer Einsatzzentral am Stand des Erdlingshofs auf dem Alex erfahren, dass einer unserer Läufer den Zug verpasst hatte und 20 Minuten später eintreffen würde. Von einem der Begleiter der Läufer, die den Abschnitt vor unserem liefen, erfuhr ich, dass auch sie Verspätung hatten, sodass wir gelassen auf die nächste S-Bahn warten konnten.

    Als wir dann vollzählig waren, trabten wir gemächlich zum Treffpunkt, als plötzlich wieder der Polizeiwagen auftauchte, um uns – getreu dem Motto „die Polizei dein Freund und Helfer“ – darauf hinzuweisen, dass wir rechts abbiegen müssten, um zum Mauerweg zu gelangen. Wir wurden freundlich verabschiedet und stellten dann aber fest, dass wird bereits am Treffpunkt waren. Also stellen wir uns darauf ein, hier auf das Eintreffen der Läufer*innen des Abschnitts 4 zu warten. Es dauerte nicht lange, da sahen wir sie die Brücke über den Oder-Havel-Kanal überqueren, gekrönt von einem riesigen Vollmond direkt über ihren Köpfen (ich hoffe jemand hat ein Foto davon gemacht und stellt es uns zur Verfügung).

    Ich hatte mir einen 20-Km-Abschnitt ausgesucht, als Vorbereitung auf den Müggelsee-Halbmarathon am 18. Oktober. Dies war ein Abschnitt, für den ein flottes Lauftempo von sechs Minuten pro Kilometer vorgesehen war und tatsächlich zeigte sich, dass die sechsköpfige Läufergruppe sehr zügig durch die Nacht huschte. Die Strecke verlief hauptsächlich über isolierte Fuß- und Radwege, wo uns in der bald einsetzenden Dunkelheit kaum jemand begegnete. Wenn wir aber durch bewohnte Straßen liefen, bekamen wir gelegentlich aufmunternde bzw. anerkennende Zurufe zu hören und an den Straßen wurde uns vereinzelt zugehupt.

    Seit über einer Stunde war es dunkel und einige von uns trugen LED-Kopflampen, um den Weg auszuleuchten. Trotzdem plärrte unser Streckenführungsnavi plötzlich „umkehren!“. Wir waren in einem Moment der Unaufmerksamkeit an einer Abzweigung vorbeigelaufen und mussten nun ca. 600 m zurück. Danach ging es auf direkten Wege weiter, immer begleitet von dem wunderschön klaren Vollmond.

    Am S-Bahnhof Staaken wurden wir nach zwei Stunden dann mit viel Applaus und Hallo von der nächsten Gruppe und deren Begleitern begrüßt. Wir hatten uns gut an unsere Zeit gehalten, aber die Verspätung von der vorherigen Gruppe nicht reduziert, sodass auch der nächste Abschnitt mit einer Verspätung startete. Das war von vorneherein einkalkuliert, zumal es hier nicht um einen Wettkampf, sondern um ein Gemeinschaftserlebnis ging.

    Am Tag zuvor hatte ich hier mein Fahrrad angeschlossen und freute mich, dass es noch da war. Ich hatte vor, den nächsten Abschnitt bis zu meinen Haus in Neu Fahrland zu begleiten; etwa 28 Km. Leider hatte mein Fahrrad dann doch Schaden genommen. Zunächst stelle ich fest, dass das Licht nicht mehr ging (was ich in der Woche davor hatte reparieren lassen), und dann schleifte mein Frontschutzblech hörbar und irritierend am Reifen. Letzteres konnten wir mit einer rabiaten Verbiegung beheben. Das Licht ließ sich nicht in Gang setzen, sodass auch ich eine Kopflampe aufsetzte, die sich als hilfreicher erwies, als es mein Scheinwerfer gewesen wäre, weil ich so die Umgebung besser nach den Hinweisschildern für den Mauerweg und den gelber Markierungen des 100-Meilen-Laufs absuchen konnte.

    Plötzlich sahen wir vor uns zwei helle Lichter, die sich dicht über dem Erdboden auf den Weg zu bewegten. Glühwürmchen dachte ich, in Brandenburg? Die waren mir zumindest in der Vergangenheit noch nicht begegnet. Im Licht der Kopflampe ließ sich dann aber schnell erkennen, dass es sich um einen jungen Fuchs handelte. Kurz darauf begleitete mich ein Hase am Wegesrand, und dann noch einer. Ob die sich gerade mit dem Fuchs „Gute Nacht!“ gesagt hatten?

    Aber auch unsere Läuferinnen und Läufer gaben interessante Bilder ab. Die Reflektoren an ihrer Kleidung von hinten beleuchtet, hüpften scheinbar allein durch die Nacht, weil von den Läufer*innen selbst kaum etwas zu erkennen war. Und von vorne betrachtet waren nur fünf helle Kopflampen zu sehen.

    Auf halbem Weg zwischen Schloss Sacrow und der Römerschanze, lag dann ein Baum quer über unserem Weg. Den hatte ich tags zuvor bereits über http://www.maerker.de gemeldet, aber er lag immer noch da; was mich nicht wirklich überraschte. Vorsichtshalber hatte ich bereits zuvor so viel Gestrüpp entfernt, dass Läufer und Radfahrer – wenn auch mit etwas Mühe – darunter durchkamen.

    Die Wege waren überwiegend befestigt und in gutem Zustand, doch an einigen Abschnitten, im Raum Gatow, hatten Wurzeln den Asphalt hochgedrückt und brachten machen von uns zum Straucheln, und einmal sogar zu Fall, weil die Wurzeln im Dunkeln schlecht zu erkennen waren. Glücklicherweise wurde niemand verletzt.

    In Neu Fahrland haben wir uns dann die Freiheit genommen den von dem 100-Meilen-Lauf vorgezeichneten Track zu verlassen, denn vor erst vier Wochen war ein Rad- und Wanderweg direkt am Ufer des Jungfernsees eröffnet worden. Der war viel schöner und angenehmer zu laufen, als die Strecke an der vielbefahrenen B2. Nach 1,5 Km mündete dieser Weg dann in die Bertinistraße und vereinigte sich so wieder mit dem so genannten Mauerweg. Dieser folgt den ehemaligen DDR-Grenzanlagen, was nicht immer eine Mauer war, sondern auch die Ufer von Gewässern und Kolonnenwege, die von den Grenztruppen benutzt wurden.

    Am Eingang zum Neuen Garten in der „Berliner Vorstadt“ in Potsdam habe ich mich dann nach nunmehr 30 Km-Fahrradbegleitung von der Gruppe verbschiedet. Zu fünft, mit zwei Radbegleitern, huschten die dann weiter durch die Nacht. Es war kurz vor drei Uhr früh und meine Muskeln und Gelenke waren dankbar endlich etwas Ruhe zu bekommen, bevor ich am nächsten Mittag das letzte Teilstück vom Brandenburger Tor bis zum Alex mitlief.

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